Daniel Zimmermann | Bürgermeister der Stadt Monheim am Rhein

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Montag | 22. Juni 2020 | 16:29 Uhr

Stadt und Kirche setzen Pfarrer Franz Boehm ein gemeinsames Denkmal

Künstlerisch gestaltetes Denkmal an St. Gereon eröffnet / Ein Mahnmal und ein Ort der Begegnung

Er war ganz unzweifelhaft einer der mutigsten Monheimer in dunkelsten Zeiten. Er hat für seine Überzeugungen gelebt. Er hat offen gegen das NS-Regime gepredigt, wurde dafür aus seiner Gemeinde gerissen, ins Konzentrationslager nach Dachau deportiert - und zahlte dort am Ende mit seinem Leben. Ein Stolperstein ist schon lange vor seiner Kirche für ihn verlegt. Eine Straße und ein Kirchenhaus wurden nach ihm benannt. Jetzt haben ihm die Stadt Monheim am Rhein und die katholische Kirchengemeinde St. Gereon und Dionysius gemeinsam auch noch ein künstlerisches Denkmal gesetzt.

Coronabedingt nur in sehr kleinem Kreis, wurde am Samstag, 19. Juni, eine vom Architekten, Bildhauer und Maler Professor Thomas Kesseler geschaffene Skulptur an der St.-Gereon-Kirche enthüllt. Ein weiterer Baustein für Kunst im öffentlichen Raum, der über die städtische Kunstschule koordiniert wird - und ein absolut gelungener. Darin sahen sich die anwesenden Mitglieder der städtischen Kunstkommission und der Kirchengemeinde nach ihrem einstimmigen Votum für den Entwurf nun auch nach dessen Realisierung voll bestätigt. Gleich mehrere Menschen, die seit Jahrzehnten darum bemüht sind, das Erinnern an Pfarrer Franz Boehm aufrechtzuerhalten, konnten der feierlichen Einweihung beiwohnen - darunter auch die beiden Kirchenarchivare Peter Buter, der Boehm sogar noch selbst als Pfarrer erlebt hat, und Hans Thielen.

„Ich glaube, dass es überfällig war, tatsächlich auch in dieser Form an Franz Boehm zu erinnern, weil er für uns gerade auch in heutiger Zeit ein großes Vorbild sein kann“, unterstrich Bürgermeister Daniel Zimmermann bei der Enthüllung der Bronzeguss-Skulptur. Zimmermann: „Boehm hat Zivilcourage gezeigt. Er selbst hat das aus seinen tiefen religiösen Überzeugungen heraus getan. Aber am Ende ist es eigentlich völlig egal, aus welchen Motiven man für den Erhalt menschlicher Werte einsteht. Wenn Haltung im Ergebnis dazu führt, dass man sich für andere Menschen einsetzt, nicht einfach zusieht, wenn Unrecht geschieht, dann ist das auf jeden Fall vorbildhaft. Auch deshalb haben die Stadt und die Kirchengemeinde ein gemeinsames Interesse daran, an diesen Monheimer zu erinnern. Er war ,kein stummer Hund' - um eines seiner berühmtesten Zitate, angelehnt an den Propheten Jesaja, aufzugreifen. Er hat nicht weggesehen, sondern sich mutig gegen das Unrecht und die Nazi-Diktatur gestellt. Er ist deshalb ein Vorbild für uns alle - für Katholiken genauso wie für Nicht-Katholiken“, unterstrich Monheims Stadtoberhaupt und erinnerte daran, dass der Monheimer Pfarrer am Ende bei jeder seiner Predigten bespitzelt worden sei. „Und das keineswegs nur von strammen Gestapo-Leuten, sondern auch von Beschäftigten der Monheimer Stadtverwaltung, von Personen, die, wie wir wissen, selbst nach dem Krieg noch lange Jahre weiter im Rathaus als Beamte tätig waren. Auch das ist ein Grund, weshalb sich die Stadt hier mitengagiert hat - und weshalb wir Pfarrer Franz Boehm ein gemeinsames Denkmal setzen mussten.“

Dass das fertige Werk die Disziplinen Malerei, Architektur und Bildhauerei gekonnt miteinander vereint, ist unübersehbar. Die mit Kupfernitrat patinierte Büste wird von zwei jeweils über 600 Kilogramm schweren Glastafeln eingerahmt, auf denen verwischte Fotografien der zerstörten Kirche noch erkennbar sind. Eine flache Mauer aus Ziegelbruchstein verläuft entlang der Grundmauern des in der Monheimer Bombennacht vom 21. auf den 22. Februar 1945 zerstörten Chors der neuromanischen Basilika. Hier wurde Pfarrer Franz Boehm nach seiner Osterpredigt 1944 verhaftet, in der er unter anderem offen die NS-Filmpropaganda angeprangert hatte.

Künstler Thomas Kesseler bekannte bei der Einweihung des Denk- und Mahnmals: „Ich habe bei meiner Arbeit versucht, die alten Fotos von der zerstörten Kirche, die mir als Hintergrund für die eingebrannten Motive auf den mit Siebdruck gestalteten Glasplatten dienten, auch künstlerisch noch einmal zu zerstören, um die Auslöschung zu verdeutlichen, die hier stattgefunden hat. Diese Auslöschung von Menschenleben, von Städten und Räumen, die die Gegenwart und Kindheit vieler Menschen bestimmt hat und bis heute noch bestimmt. Auch die Familie meiner verstorbenen Frau wurde durch den Krieg ausgelöscht. Damit leben viele von uns jeden Tag. Diese Menschen sind einfach nicht mehr da. Und dieses Ausgelöschtsein ist etwas, das wir tief im Herzen tragen.“

Er habe „einen kraftvollen Ort“ schaffen wollen, betonte der Kunstprofessor - kein bequemes und einfach nur liebliches Fleckchen. Es ist ihm gelungen. Und er hat dennoch einen Ort geschaffen, an dem man sich gut niederlassen kann. „Ich hoffe daher, dass es ein Ort wird, an dem Begegnung und Dialog stattfinden werden“, schloss Kesseler am Wochenende in seiner Ansprache. Es wäre ganz sicher in Pfarrer Franz Boehms Sinne. Und auch Monheims heutiger katholischer Pfarrer Michael Hoßdorf griff zum Ende den Denkmalbegriff noch einmal auf: „Gehen Sie nach Hause und denken Sie mal darüber nach: An welcher Stelle kann ich dem Beispiel von Pfarrer Franz Boehm folgen? Boehm hat etwas verändert. Das können wir auch.“ - Eine Einladung, die gewiss über die kleine Einweihungsfeier hinaus gilt.

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